Die Peterskirche

Die Kirche im Dorf

>

Die Peterskirche in Dußlingen

Wer von der B27 oder von einer anderen Richtung auf Dußlingen zukommt, kann sie nicht übersehen, die Dußlinger Peterskirche, das älteste Wahrzeichen des Ortes.

Ihre Vorgängerin wurde erstmals im Jahre 888 n. Chr. erwähnt.   

Mit dem Bau des heutigen Kirchengebäudes wurde im Jahr 1501 begonnen (Datierung im Chorbogen - was heute fast wie eine "4" aussieht, war damals eine "5"). Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1508 (Datierung in der Sakristei). Die Kennzeichen für den spätgotischen Baustil sind das Netzgewölbe im Chor, die spitzbogigen Portale und die Maßwerkfenster.

Die Kirche wurde unter großen Opfern auf dem "Kirchberg" von Menschen erbaut, die unter wesentlich bescheideneren Verhätnissen leben mussten als unsere heutige Generation.

Die Kirche, innen und außen mehrmals renoviert, ist nicht nur Denkmal früherer Zeiten, sondern Mittelpunkt des Gottesdienstes der über 3.000 Menschen umfassenden evangelischen Kirchengemeinde. 

 

Gedicht über unsere Kirche

Emma Kusterer geb. Spohn, 1907 geboren, Ehefrau des Schuhmachermeisters Jakob Kusterer war Hausfrau und eine heimatliebende Dußlingerin. Ihr verdanken wir das folgende Gedicht:

Unser Kirchlein

Das Kirchlein auf der Höhe
Hat schon so manches Jahr
Getrotzt dem Sturm und Wehe,
Blieb standhaft in Gefahr.

Vom Friedhof rings umgeben
Mit bunter Blumenpracht
Hält´s über Tod und Leben
Getreulich seine Wacht.

Das Mahnmal uns´rer Krieger,
Ist dort in treuer Hut,
Nur Christus ist der Sieger,
Er meint´s mit allen gut.

Die alten Trauerweiden,
Sie säuseln leis´ im Wind,
Umhüllen alles Schweigen,
So friedlich und so lind.

Das Kirchlein schaut hernieder
Und grüßt den ganzen Ort,
Ein Ruf ertönt stets wieder
"Kommt her, hört Gottes Wort".

Es will uns ernstlich mahnen
Mit hellem Glockenklang,
Wie einst schon uns´re Ahnen
Zu Gottes Lobgesang.

Dort ist man wohl geborgen
Im lieben Gotteshaus,
Es weichen alle Sorgen,
Das Herz ruht stille aus.

Beim Kirchlein auf der Höhe
Im lichten Sonnenschein
Wird einst nach Kampf und Wehe
Die letzte Ruhstatt sein.

 

 

 

Das Kreuz am Altar

Ein sterbendes Folter-Opfer im Zentrum eines festlichen Raumes?

Den Schlüssel zum Verstehen lieferte der Prophet Jesaja - und dies schon viele Jahrhunderte bevor Jesus geboren wurde: "Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt".

Das Lendentuch Jesu wurde vom Künstler zweifarbig gestaltet: Grün und Gold.

Grün - die Farbe unserer Welt, in der alles wächst, welkt und vergeht.

Gold - die Farbe der Ewigkeit, die Jesus Christus in unser Leben bringt. 

  

             

Der Taufstein

Der Taufstein enthält unter der Kupfer-Abdeckung noch die Aushöhlung aus der Zeit, als die Kinder ganz eingetaucht und dann vom Paten "aus der Taufe gehoben"  wurden.

Auf der Kupferplatte steht das Wort von Jesus:

"Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind."

 

 

Der Chorraum

Spätestens hier wird klar: Die Kirche ist nicht nur Versammlungsraum, sondern vor allem ein Festsaal.

Was es zu feiern gibt, wird hörbar, wenn die Orgel Choräle begleitet und sichtbar, wenn man den Blick hebt und in das Netzgewölbe schaut.

Die Schlusssteine, an denen die Gewölbe-Rippen sich treffen, erzählen von Westen nach Osten diese Geschichte:

1) Maria Magdalena als Beweis dafür, dass Jesus Christus stärker ist als die dunklen Mächte, von denen er sie befreite (Lukas 8, 2).

2) Denn Jesus ist gekommen, um die Werke des Teufels - hier mit Pferdefuß und auf dem Rücken liegend dargestellt - zu zerstören (1. Joh. 3, 8).

3) Jeder, der das erlebt hat, sagt es weiter. So wie Johannes der Täufer, der nichts will als Jesus groß machen: Jesus ist der Gekreuzigte und das "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt" (Joh. 1, 29). Das ist einzigartig: Es gibt einen, der schiebt Schuld nicht auf andere, sondern nimmt sie auf sich und schafft so Entlastung.

4) Ein Beispiel, was passieren kann, wenn man Jesus nachfolgt, gibt die Märtyrerin Barbara aus Smyrna, dem heutigen Izmir in der Türkei. Nicht jedem passt es, wenn Jesus ein Leben heil macht. Manche ziehen die Dunkelheit vor. Barbaras Vater gerät so in Wut, dass er seine Tochter in einen Turm sperren lässt. Aber auch dort begegnet ihr der Auferstandene in Brot und Wein.

5) Wie wir den Himmel aufgeschlossen bekommen, zeigt uns Petrus: mit der Bibel in der Hand.

6) Maria mit dem Jesus-Kind erfährt leibhaftig, was alle Jesus-Leute erleben: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" bekennt Paulus im Galaterbrief 2, 20.

7) Am Schluss der Reihe, ganz im Osten, haben sich wohl drei Baumeister selbst dargestellt. Sie bekennen: Da will ich auch dazugehören. Sie fragen den Betrachter: Du auch?

 

Auch die Wände des Chorraumes sind einen Blick wert: Ein zweites Mal sehen wir Petrus, den Namensgeber der Peterskirche mit aufgeschlagener Bibel und dem Schlüssel, den uns Matthäus 16, 19 erklärt: Vergebung von Jesus zu empfangen und anderen zu sagen: Das ist der Schlüssel zu Gottes Welt.

Der Mann mit dem Kelch ist Johannes. Gemäß außerbiblischer Quellen sollte er durch einen mit Gift gefüllten Becher umgebracht werden. 

 

 

 

Johannes

Die Figur auf der Kanzelseite ist Johannes in der klassischen Darstellung als junger Mann ohne Bart. Er war der Jüngste im Apostelkreis. Das Buch in seiner Hand enthält den Anfang seines Evangeliums in lateinischer Sprache "in principio erat verbum" - auf Deutsch "im Anfang war das Wort". Im Anfang unseres Glaubens-Lebens stehen die Zusagen Gottes.

Johannes zeigt mit seiner rechten Hand, wohin ihn Gottes Wort trifft: Mitten ins Herz.

 

 

 

 

Die Glocken

Sie laden nicht nur ein zu Andacht, Gebet und Gottesdienst, sondern sind auch Musikinstrument: Die Töne "f", "a", "c" und "d" bilden den Beginn des Chorals "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Die größte Glocke wurde im Jahr 1472 gegossen, wiegt 1100 kg und enthält die Aufschrift "Mattheus Marcus Lucas Johannes ANNO Domini 1472".

Die Zweitgrößte, die sog. "11-Uhr-Glocke" entstand 1763. Sie wurde zusammen mit der nächstgrößeren Glocke 1942 vom Turm genommen und mußte abgeliefert werden. Nach dem Krieg kam diese Glocke zur großen Freude wieder zurück. 1960 wurde der Glockenstuhl erneuert und sollte vier Glocken mit dem Akkord f-a-c-d aufnehmen. In dieses Geläut passte der b-Klang der alterwürdigen "11-Uhr-Glocke" nicht mehr. Sie mußte daher erneut ihren angestammten Turm verlassen und hängt heute an der Außenwand der Friedhofskapelle auf dem Bergfriedhof in Tübingen, wo sie frei sichtbar bei den Beerdigungen ihren Dienst tut. Die neue Glocke entstand 1960, wiegt rund eine halbe Tonne und trägt die Inschrift "Verleih uns Frieden gnädiglich".

Die dritte Glocke, die sog. "Amerika-Glocke" wurde 1922 von ausgewanderten Dußlingern gestiftet. Sie mußte zusammen mit der "11-Uhr-Glocke" im 2. Weltkrieg abgeliefert werden und kam nicht mehr zurück. Für sie wurde 1950 Ersatz beschafft. Sie trägt die Inschrift "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Die vierte - die Taufglocke - trägt den Text "Lobet den Herrn in seinem Heiligtum".

Im Dachreiter befindet sich außerdem eine 75 kg schwere Glocke, die im Jahr 1935 gegossen wurde.